Prävention und Wissenschaft

Prävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die von unterschiedlichen Akteuren aus Wissenschaft, Politik und Praxis bearbeitet wird.

Die Rolle der Wissenschaft ist dabei wesentlich aber nicht unumstritten. Die praktische Anwendbarkeit von wissenschaftlichen Empfehlungen wird häufig angezweifelt. Politiker suchen eher schnellere Antworten zu aktuellen Lagen. Praktiker verweisen auf individuelle Fallkonstellationen und spezifisches Erfahrungswissen. Was also kann Forschung im Präventionskontext leisten?

Wissenschaft liefert gut begründete und nachvollziehbare Erkenntnisse und Methoden, um Präventionsmaßnahmen theoretisch zu fundieren, zu legitimieren und auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. Wissenschaft braucht umgekehrt die ständige Rückkopplung an Praxis. Nachhaltig erfolgreiche Prävention gelingt nur, wenn die Akteure aller drei Bereiche multidisziplinär zusammenarbeiten.

Im niedersächsischen Landesprogramm gegen Rechtsextremismus für Demokratie und Menschenrechte ist der Dreiklang zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis von Anfang an mitgedacht worden. Seit 2017 hat das Land Niedersachsen das KOMREX der Universität Jena beauftragt, regelmäßig die neuesten nationalen und internationalen Forschungserkenntnisse zur Prävention von Rechtsextremismus und Radikalisierung zusammenzutragen und daraus Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Diese Wissensbasis soll für Niedersachsen der Bezugspunkt sein, um nachhaltige und wirkungsorientierte Präventionsmaßnahmen zu erproben und zu verbreiten.

Im Rahmen des Wissensdialogs zwischen Forschung, Politik und Praxis kommt den niedersächsischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen eine besondere Rolle zu. Sie gestalten das Agendasetting in der Prävention mit. Sie entwickeln eigene Projekte, regen Diskurs an, stellen Fragen, und bilden Fachkräfte aus. Sie haben Zugang zu Multiplikatoren und geben Empfehlungen in die Politik. 

Wir freuen uns daher, Ihnen auf der Wissenschaftskonferenz 2020 vorab die Ergebnisse des zweiten durch das Landesprogramm geförderten wissenschaftlichen Gutachtens präsentieren zu können:

"Entwicklungsorientierte Radikalisierungsprävention: Grundlagen, Ansätze und Befunde" (Autorschaft: A. Beelmann, S. Lutterbach, M. Rickert).

Prof. Dr. Andreas Beelmann wird das Gutachten selbst vorstellen. Wir laden Sie ein, mit ihm diese Ansätze aus Ihrer wissenschaftlichen Perspektive zu reflektieren und zu diskutieren, welche Überlegungen sich daraus für die weitere Präventionsstrategie in Niedersachsen ergeben. Außerdem wird es Kurzpräsentationen einzelner Forschungsprojekte aus Niedersachsen geben, und Annett Meylan von der TU Chemnitz wird die beiden neuen Bachelor und Masterstudiengänge Präventionsmanagement vorstellen.

Wir hoffen auf spannende fachliche Anregungen, kritischen Diskurs und gute Gelegenheit zu Gesprächen im wissenschaftlichen Netzwerk für Prävention in Niedersachsen.

Team Netzwerk FÜR
Dr. Kirsten Minder
Jonas Farwig