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Politische und kulturelle Bildung

Moderiert von: Mona Herder, Trainerin und Referentin für politische Bildung und interkulturelle Sensibilisierung

Impulsgeber 1: Sami Rauscher, DeutschPlus e.V.
Impulsgeber 2: Tanja Ney, Medienpädagogin im "Netzwerk Verstärker" (bpb)

 

Zur Diskussion steht folgende Handlungsempfehlung:

Eine Präventionsstrategie, die weit verbreitet ist und hohes Ansehen genießt, ist politische und kulturelle Bildung. Sie basiert auf der Annahme, dass das Wissen um bestimmte politische und kulturelle Werte wie etwa Demokratie und Menschenrechte oder historisches Wissen über den Nationalsozialismus dazu führt, dass insbesondere Jugendliche solche Werte im Rahmen ihrer politischen Sozialisation übernehmen. Solche Maßnahmen sind daher mit Blick auf die akademische Ausbildung von Jugendlichen zu unterstützen. Es zeichnen sich hinsichtlich der Extremismusprävention jedoch mindestens zwei Probleme ab:

  • Erstens sind Wissens- und Bildungskomponenten in der Regel wichtige, aber keine hinreichenden Kompetenzen von Präventionsmaßnahmen, denn sie beruhen auf der Annahme, dass Wissensdefizite zentral für die Ausbildung problematischer Einstellungen oder Handlungen sind. Angesicht der Vielzahl von Risikofaktoren ist dies allenfalls teilweise zutreffend. Hinzu kommt, dass die genannten Inhalte oftmals als klassische Wissensvermittlung durchgeführt werden, also wenig mit den konkreten Lebenswelten von Jugendlichen zu tun haben. Neuere Konzepte der Demokratiebildung haben aber diese Probleme aufgegriffen und bieten Maßnahmen auch interaktiv bzw. über Erfahrungslernen an. Diese Formate sind daher in der politischen Bildung unbedingt zu berücksichtigen.
  • Ein zweites Problem betrifft die Erreichbarkeit gerade von Risikogruppen und Risikoklientel. Bislang konnten politische Bildungsmaßnahmen nicht ausreichend klären, unter welchen Umständen bereits problematisch orientierte Jugendliche von derartigen Programmen erreicht werden können. Hier sind somit niedrigschwellige oder besondere Konzepte gefragt, wie politisch desinteressierte oder bereits extremistisch orientierte Jugendlichen besser einbezogen werden können.

Unabhängig von diesen Problemen und ihren Lösungen, sollten derartige Bildungsmaßnahmen vor allem für den mittleren und älteren Jugendbereich (15 bis 20 Jahre) konzipiert werden, weil dies eine wichtige Phase der politischen Sozialisation darstellt, in dem ein grundsätzliches politisches Interesse angenommen werden kann und bestimmte kognitive Voraussetzungen vorhanden sind, um von Bildungsangeboten zu profitieren. Zu den Inhalten würde auch gehören, über Internetpropaganda extremistischer Gruppen mit ihren problematischen identitätsstiftenden Absichten aufzuklären, um Jugendliche auf Risiken, Absichten und Hintergründe derartiger Portale hinzuweisen.