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Identitätsstiftende Maßnahmen

Moderiert von: Dr. Rainer Strobl, proVal

Impulsgeber 1: Andreas Beelmann, Kompetenzzentrum Rechtsextremismus, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Impulsgeber 2: Barbara Kubesch, Niedersächsisches Kultusministerium

 

Zur Diskussion steht folgende Handlungsempfehlung:

Es geht darum, insbesondere Jugendlichen die Möglichkeiten des Ausprobierens, der Übernahme von Verantwortung im sozialen Bereich und der Entwicklung einer positiven Identität zu ermöglichen. Diese Prozesse sind insbesondere im frühen Jugendalter (12 bis16 Jahre) bedeutsam, finden aber selbstverständlich auch bei älteren Zielgruppen und im Erwachsenenalter statt.

Jeder Mensch braucht für eine gesunde psychische Entwicklung das Gefühl des Dazugehörens zu sozialen Gemeinschaften und ein Gefühl von Sinnhaftigkeit in seinem Leben. Gerade Jugendliche sind ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, sich zu beweisen und Anschluss zu finden. Dies kann auf vielfältige Weise geschehen: Im Sport, in der Freizeit, bei kulturellen Aktivitäten, in Familien, in der Schule oder in der Gleichaltrigengruppe. Dieses Bedürfnis macht sie allerdings auch empfänglich für ideologisierte und extremistische Gruppen und dies umso mehr, je weniger sie andere Möglichkeiten der Identifikation und Bedeutungszumessung für sich entdecken.

Prävention sollte an diesem Bedürfnis ansetzen. Es müssen realistische und altersgerechte Anerkennungsstrukturen geschaffen werden, damit der Aufbau einer positiven sozialen Identität gelingt. Ziel ist die Vermeidung eines Anschlusses an deviante Gruppen, die ihnen nur vordergründig Anerkennung und Identität bieten. Dabei sind vielfältige Präventionsmöglichkeiten denkbar, die bereits im Rahmen der klassischen Jugendarbeit genutzt werden. Insbesondere dort, wo solche Angebote fehlen oder Jugendliche nicht mehr erreichen, sollten jedoch verstärkt gezielte Präventionsmaßnahmen konzipiert werden.

Eine besondere Risikogruppe stellen Jugendliche dar, die offenbar kaum Anschluss an nichtdeviante Peers finden oder bislang nur wenige positive Erfahrungen gemacht haben. Diese Jugendlichen zu integrieren und ihnen entsprechende Gelegenheiten der Identitätsbildung zu bieten, kann wiederum auf sehr unterschiedliche Art und Weise geschehen. Dabei können schulische und außerschulische Settings genutzt werden. Ein Problem stellt allerdings die Auswahl solcher Risikogruppen dar, weil längerfristige Beobachtungen oder auch Auskünfte von Peers nötig sind (Wer wird ausgegrenzt bzw. hat kaum Kontakt zu Gleichaltrigen?). Aus diesem Grund sollten selektive oder indizierte Präventionsmaßnahmen eng mit dem sozialen Kontext der Risikogruppen zusammen arbeiten.

Es bestehen somit vielfältige psychosoziale und pädagogische Möglichkeiten, Jugendlichen altersangemessene Möglichkeiten des Ausprobierens und der Verantwortungsübernahme bereitzustellen, die Ihnen entsprechende Anerkennung bieten. Positive Identität und Anerkennung macht sie unempfänglich für extremistische oder andere deviante Gruppen.