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Training von sozial-kognitiven Fertigkeiten und sozialer Kompetenz

Moderiert von: Frederick Groeger-Roth, Landespräventionsrat Niedersachsen

Impulsgeber 1: Ralf Bornstedt, M.A., Bremer Institut für Pädagogik und Psychologie (bipp)
Impulsgeber 2: Nina Franzen, EducationY, buddY e.V.
Impulsgeber 3: Prof. Dr. Hildegard Müller-Kohlenberg, Balu e.V., Universität Osnabrück

 

Zur Diskussion steht folgende Handlungsempfehlung:

Eine zweite Präventionsstrategie besteht in der Förderung bestimmter sozial-kognitiver Fertigkeiten sowie insgesamt in der Förderung sozialer Kompetenzen oder sogenannter Lebenskompetenzen (Botvin & Griffin, 2004). Diese Präventionsmaßnahmen bieten sich besonders im Altersbereich zwischen 6 bis 14 Jahren an, in dem diese Kompetenzen in der Regel erworben und im sozialen Kontext angewendet werden. Solche Trainingsprogramme können mit Blick auf das hier behandelte Präventionsfeld allgemeine und spezifische Komponenten aufweisen. Allgemein sind soziale Trainingsmaßnahmen auf den angemessenen Umgang mit sozialen Interaktionspartnern und den Verzicht auf aggressive Lösungsstrategien bei interpersonellen Problemen (z.B. Provokationen in der Peergruppe, Widerstehen von Gruppendruck), aber auch intergruppalen Konflikten (z.B. Umgang mit gewalttätigen Gangs oder Verhalten bei Mobbing gegenüber Randgruppen) ausgerichtet. Dies beinhaltet das Üben sozial kompetenten Verhaltens sowie das Erlernen kritischer zugrundeliegender Prozesse der sozialen Informationsverarbeitung (soziale Wahrnehmung, Handlungsplanung, vorausschauendes Denken). Zudem sind diese Kompetenzen nicht nur für reale soziale Interaktionen, sondern in zunehmendem Maße auch für digitale soziale Interaktionen in den sogenannten sozialen Netzwerken und im Internet (d.h. als Medienkompetenz)relevant.

Soziale Trainingsmaßnahmen können sich auch speziell auf rechtsextremismusspezifische Komponenten beziehen, zum Beispiel auf die Förderung von Empathie und Perspektivenübernahme, der kognitiven Differenziertheit (multiple Klassifikation, siehe unter 5.1) oder der moralischen Entwicklung (z.B. Etablierung bestimmter Gerechtigkeitskognitionen oder Normen). Dabei wäre es von besonderer Bedeutung, dass die erlernten Fähigkeiten im sozialen Kontext vermittelt werden und zwar sowohl interpersonell als auch intergruppal, d.h. mit Bezug zu bestehenden sozialen Kategorien (z.B. Klasse 3a vs. Klasse 3b; Deutsche vs. Ausländer). Das Ziel der Maßnahmen sollte darin bestehen, sozial-kognitive Prozesse zu stärken, die zu einer höheren sozial-kognitiven Differenziertheit und damit zu geringeren Vorurteilen und Urteilsverzerrungen führen. Darüber hinaus dienen soziale Trainingsprogramme insbesondere dazu, im Konfliktfall gewalt- und aggressionsgeleiteten Problemlösestrategien durch sozial verträgliches und kompetentes Verhalten zu ersetzen.