Ausstiegshilfen

„Aber sie wollen so einen nicht als Nachbarn haben“ - Gesellschaftliche Gelingensbedingungen für Ausstiege aus der rechtsextrem orientierten Szene
Dr. phil. Christian Pfeil, Carl von Ossietzky Universität

In Deutschland sind zum aktuellen Zeitpunkt mehr als 30 Betreuungsangebote für ‚Aussteiger_innen“ aus rechtsextremen Szenekontexten aktiv. Diese sind in verschiede (öffentliche und private) Trägerstrukturen eingebunden, und unterscheiden sich in den jeweiligen Arbeitsansätzen- und zugängen. Die Zielsetzung ist dabei identisch: Distanzierung und Ablösung von der der rechtsextremen ‚Bewegung‘, verbunden mit der Re-Integration in ‚Zivilgesellschaft‘. Rückfälle sollen möglichst vermieden, die ‚Szene‘ geschwächt werden. Doch wie umgehen mit Stigmatisierungen und Verurteilungen der Ausstieger_innen durch die „bürgerliche Gesellschaft“? Welche Ablehnungserfahrungen machen ‚Ehemalige‘ und welche Folgen sind evtl. damit verknüpft? Welche Verantwortung muss Zivilgesellschaft übernehmen, um eventuelle „Rückschritte“ in den Szenekontext zu verhindern? Der Workshop will durch den Austausch von professionell Handelnden und Interessierten die hier skizzierte Fragestellung bearbeiten und, (unter Berücksichtigung des professionellen Kontextes der Teilnehmer_innen) erste Arbeits-Ansätze entwickeln. Weiterhin soll der Workshop dazu beitragen, ein mehr an Handlungssicherheit und -fähigkeit zu generieren, um in diesem herausfordernden Kontext souveräner agieren zu können.

Mögliche Fragestellungen/Diskussionsinputs:
Trägt „Zivil“-Gesellschaft überhaupt eine (Mit-)Verantwortung für einen gelingenden Re-Integrationsprozess von Ausstieger_innen aus der ‚rechtsextremen‘ Szene? - Wie sieht eine gelungene Re-Integration aus? Welche Marker gibt es? - An welchen Punkten kann Reintegration von ‚außen‘ positiv beeinflusst werden – Und wie? - Wo wird Reintegration evtl. (unwissentlich) auch negativ beeinflusst? - Wie mit eigenen (Vor-)Urteilen und Stigmatisierungen umgehen - Wie eigene Betroffenheiten professionell thematisieren und bearbeiten? - Von der Schwierigkeit, Empathie auch für (ehemalige) Rechtsextremist_innen zu entwickeln? - Re-Integration als Präventionsansatz?

Zielgruppen:
In Behörden/Einrichtungen Beschäftigte, die mit „Ausstieger_innen“ (und evtl. ihren Angehörigen) im Re-Integrationsprozess zu tun haben können/werden: o Jobcenter , o Ämter für Teilhabe und Soziales o Einrichtungen für Therapie und Rehabilitation (Sucht-, und psychische Problemstellen) o Lehrer_innen/ Schulsozialarbeiter_innen o Erziehungshilfen/ KiTas (ehemalige Rechtsextremist_innen als Eltern?) o Bewährungshilfe